Tipler 7, 2014, Kap. 4.3, S. 126

Damit ein Auto durch eine Kurve fährt, muss auf dieses Auto eine radial nach innen gerichtete Zentripetalbeschleunigung aZP resultieren. Sitzen wir in diesem Auto, spüren wir jedoch eine Beschleunigung aZF, die uns radial nach au├čen treibt. Die Beschleunigung aZF heißt Zentrifugalbeschleunigung , die auf uns wirkende Kraft FZF = m aZF heißt Zentrifugalkraft . Diese Kraft zählt zu den Trägheits- oder Scheinkräften, die immer dann auftreten, wenn wir uns in einem beschleunigten Bezugssystem – wie dem des durch eine Kurve fahrenden Autos – befinden. Ein System ohne Scheinkräfte, das entsprechend dem Trägheitssatz seine (geradlinig gleichförmige) Bewegung beibehält, nennt man ein Inertialsystem . [...] Scheinkräfte entstehen bei der Transformation der Bewegungsgleichungen von einem Inertialsystem I in ein beschleunigtes System B.

Bartelmann et al.: Theoretische Physik, 2014, Kap. 2.4, S. 67

Das zweite Newton'sche Axiom gilt in seiner bisher bekannten Form in (2.41) nur in Inertialsystemen, also in unbeschleunigten Bezugssystemen. Es kann auch in Nichtinertialsystemen formuliert werden, wobei es jedoch seine Kovarianz verliert und zusätzliche Terme berücksichtigt werden müssen.[...]

Taylor: Mechanik, 2014, Kap. 9,1, S. 391

Wir können also weiterhin das zweite Newton'sche Gesetz in dem Nichtinertialsystem S anwenden, sofern wir anerkennen, dass in dem Nichtinertialsystem ein zusätzlicher, wie eine Kraft wirkender Term addiert werden muss, den wir als Trägheitskraft bezeichnen. [...] Viele Probleme mit Objekten in beschleunigten Bezugssystemen lassen sich am einfachsten behandeln, indem man einfach loslegt und das zweite Newton'sche Gesetz aus dem Nichtinertialsystem verwendet – dabei aber immer die zusätzliche Trägheitskraft wie in (9.4) hinzufügt.

Halliday, Physik 1, 1993, Kap. 6.4, S. 126/127

Bei der bisherigen Behandlung der klassischen Mechanik haben wir stets vorausgesetzt, daß die Messungen und Beobachtungen von einem Inertialsystem aus erfolgten. Darunter verstanden wir ein Bezugssystem, das sich gegenüber dem Fixsternhimmel in Ruhe oder in einer gleichförmigen Bewegung gegenüber den mittleren Positionen der Fixsterne befindet. Die Inertialsysteme waren durch das erste Newtonsche Axiom als die Bezugssysteme eingeführt worden, in denen sich ein kräftefreier Körper (F = 0) mit konstanter Geschwindigkeit (a = 0) bewegt. Grundsätzlich steht uns die Wahl eines Bezugssystems frei. Für die Anwendung der klassischen Mechanik auf natürliche Phänomene bedeutet es daher keine Einschränkung, wenn wir nur von Inertialsystemen ausgehen. Trotzdem kann es zweckmä├čig sein, klassische Mechanik aus der Sicht eines Beobachters zu betreiben, der sich in einem Nichtinertialsystem befindet.

Tipler 7, 2014, Kap. 1.2, S. 11

Das Zusammenspiel von Inertialsystemen, Kräften und dem ersten Newton'schen Axiom weist auf ein Dilemma hin, das bereits von Newton erkannt wurde: Die Definitionen von Kräften und Inertialsystemen sind zyklisch verbunden. Erst wenn ein Inertialsystem eingeführt wurde, kann man Kräfte sinnvoll definieren, da vorher nicht klar ist, ob eine nicht geradlinig-gleichförmige Bewegung auf eine Kraft oder darauf zurückzuführen ist, dass das Bezugssystem kein Inertialsystem ist. Andererseits kann man Inertialsysteme nicht definieren, ohne auf Kräfte Bezug zu nehmen, weil sie als Bezugssysteme definiert sind, in denen sich kräftefreie Körper geradlinig-gleichförmig bewegen. Da Kräfte nicht ohne Klarheit über Inertialsysteme und Iner-tialsysteme nicht ohne Klarheit über Kräfte definiert werden können, wird diese Problematik häufig schlicht verschwiegen und ignoriert.